ALTE SORTEN von Ewald Arenz

Weil es gut ist, nicht nur an sich selbst zu erfahren, sondern auch zu lesen, dass man sich wieder begegnet im Leben. Seinem jüngeren Ich. Dass man diesem jüngeren Ich dabei helfen kann, seine Wunden zu heilen und dadurch vielleicht auch selbst ein Stückchen heiler wird. 

Weil es gut tut, nicht nur an sich selbst zu erfahren, sondern auch zu lesen, dass man sich manchmal oder ganz oft in seinem Leben nicht zugehörig fühlt, dass es normal ist, dass man sich dagegen wehrt, dass alles immer gerade wachsen muss, und es aber irgendwo, an dem unmöglichsten aller Orte vielleicht, den einen Menschen gibt, der einem das Gefühl gibt, goldrichtig und vor allem ganz zu sein. 

Und weil es schön und schmerzhaft zugleich ist, sich in die Sprache und in das Setting dieser Geschichte fallen zu lassen, Sally und Liss über den Hof in dem kleinen Dorf zu folgen, mit ihnen Kartoffeln zu ernten, den feinen Staub in der warmen Sommerluft schweben zu sehen, Hühner zu füttern, auf dem Heuboden zu lesen und dabei die Beine baumeln zu lassen, alte Birnensorten zu probieren und sich darüber klar zu werden, was wirklich wichtig ist in diesem Leben.

Gelesen an den letzten zwei eiskalt-sonnigen Oktobertagen dieses Jahres in einem unserer Liegestühle mitten im Wald, in die letzten Seiten vollkommen eingetaucht, so dass ich den Ofen-Timer ignoriert und darum den lang ersehnten, ersten Rosenkohl der Saison im Ofen fast verbrannt habe, worauf Carsten zu mir sagen konnte: »Der muss jetzt eh erstmal ruhen. Du kannst in Ruhe weinen.« und mir erst viel später aufgefallen ist, wie gut diese zwei schönen, irgendwie alten Sätze zu meiner Stimmung und zu dem eben ausgelesenen Buch passten.

Vielen Dank Ewald Arenz.

Danke Stephie Schulz-Jander von der Buchhandlung im Wohld, die mitten in der Nacht noch so geistesgegenwärtig war, mir dieses Buch ans Herz zu legen.